Freiheit und Verspieltheit

Danel Quartett mit Michael Frohnmeyer bei den „Nachtstücken.“

Von Anderea Hübener

Nachtstücke, zweiter Teil: Streichquartette von Ludwig van Beethoven, Sergei Prokofjew und César Francks Klavierquintett standen auf dem Programm im Zangberger Ahnensaal.

Das Danel Quartett mit Marc Danel (1. Violine), Gilles Millet (2. Violine), Vlad Bogdanas (Bratsche) und Guy Danel (Cello) begann mit Beethovens Streichquartett Opus 18 Nr. 6, einem Werk, das insbesondere mit seiner zerklüfteten Einleitung zum 4. Satz La Malinconia (Die Melancholie) einen Zusammenhang mit dem Titel des Festivals „Nachtstücke“ verrät. Die insgesamt sechs Quartette von Beethovens Opus 18, die als Kompendium der Quartettkunst gelten, stellen selbst eine Art musikalischer Verbeugung Beethovens vor den ‚Ahnen’ einer Musik, Haydn und Mozart, dar. Mit der Aufführung zu Beginn des Programms setzten die ausführenden Musiker ausserordentlich hohe Maßstäbe.

Schon die ersten Töne ließen erahnen, dass dies ein ganz besonderer Abend werden würde: prägnant hervorgehobene Akzente, eine weiträumige Dynamik und jederzeit klare Linien selbst im ‚Prestissimo’ der Stretta, einer fulminant doppelbödigen Flucht aus der dräuenden „Malinconia“, übertrugen sich hier unmittelbar auf die Zuhörer. Als wollten sie den Zusammenhang der Stücke betonen, ließen die Musiker nach dem Beethoven allenfalls einen kleinen Vorschuss auf den ihnen zustehenden Applaus zu, bevor sie sich auf den nächsten, nicht weniger anspruchsvollen Programmpunkt widmeten. Und so wurde dann auch der Übergang zu Prokofjews zweitem Streichquartett kein Sprung ins kalte Wasser der Moderne. Ebenso wie Beethoven die musikalischen Affekte mit Wucht aufeinanderprallen lässt, so überblendet Prokofjew in seinem 1941 entstandenen Quartett „über kabardinische und balkarische Themen“ Melodien aus dem Nordkaukausus mit den Formelementen der klassischen Quartettliteratur. Beglückend wirkte die Freiheit und Verspielheit, mit der das Danel Quartett die vielen lyrischen Episoden des Werkes darbot.

Mit César Francks Klavierquintett f-moll ereichte der Abend dann nach der Pause seinen Schluss- und Höhepunkt. Mit radikaler Leidenschaft und seltener Meisterschaft führten die Streicher und der Pianist ihre Stimmen zusammen; vollkommen ausgewogen in den elegisch-kantablen wie in den fulminanten Passagen erklang das in Deutschland immer noch viel zu selten gespielte Stück. Das Publikum feierte die Musiker enthusiastisch.

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