Was Bach und Fußball gemeinsam haben

Zum Kinderkonzert mit dem namhaften Cellisten Jens Peter Maintz während des sechsten Musikfestes im Landkreis Mühldorf kam ein ganzer Bus mit Dritt- und Viertklässlern von den Grundschulen Ampfing und Schwindegg ins Haus der Kultur

Waldkraiburg - Die Kinder stürmten den kleinen Saal, um sich die besten Plätze zu sichern. Nicht im Frack, sondern schlicht in Alltagskleidung, erschien der groß gewachsene Künstler mit hellgrauem Cellokasten auf der Bühne. Schon während er sein Instrument auspackt, zwinkert er den aufgeregten Mädchen und Buben zu und lässt keine Berührungsängste zwischen Publikum und ihm zu.

Es bedarf eines "Psssst!" seinerseits, damit es still wird und er sein Publikum freundschaftlich begrüßen kann. Zu Anfang stellt er sich kurz vor und fragt in die Menge: "Wer kennt das Instrument?" Die Schüler melden sich und einige wissen die richtige Antwort.

"Wusst ich's doch, das ist ein Cello!", bestätigt das ein kleiner Besserwisser aus der ersten Reihe. Ein Mädchen weiter hinten ruft laut: "Das sieht aus wie 'ne Geige!" Ganz genau kennen sich da die kleinen Cellisten aus, die auch im Publikum sitzen. Mit fünf Jahren habe er selbst mit dem Cellospiel angefangen, erklärt Jens Peter Maintz seinen Werdegang, "Und ich mache das schon seit 37 Jahren".

Im weiteren Dialog mit seinen Zuhörern fragt er sie nach dem Komponisten, dessen Stück er ihnen gleich zu Gehör bringen will: Johann Sebastian Bach. "Vor etwa 300 Jahren hat er gelebt", rückt der Musiker die Zeitvorstellung zurecht und ergänzt, dass sein Cello fast genauso alt sei.

Um sich einzustimmen spielt er das Präludium aus der Suite Nr. 1. Mit der Frage "Tanzt ihr gern?" leitet der Künstler zum nächsten Stück über. "Ja!" hört man von der Mittelreihe. "Ich spiel lieber Fußball!", tönt es etwas trotzig aus der Jungenecke. Damit hat Maintz kein Problem, findet er doch, dass Fußball und die Bach'sche Musik etwas gemein haben: Die Schnelligkeit wohnt den Bewegungen und der Musik inne. Auf diese Weise versöhnt, lauschen auch die Fußballfreunde aufmerksam dem 3. Satz der Suite Nr. 1 "Courante", einem schnellen Gesellschaftstanz. Interessant war es für die Schüler auch, wie Jens Peter Maintz die 1975 entstandenen "Sachervarationen" von Withold Ludoslawski nutzte, um moderne Musik auf dem Cello zu präsentieren. Als der Cellist anbietet, die Vornamen der Schüler zu vertonen, recken sich im Publikum viele Hände hoch und sie hören, wie "Lisa", "Daniel", "Michael" und andere klingen. Daran haben alle ihren Spaß. Nun melden sich zwei neugierige Buben zu Wort und wollen wissen: "Können sie auf dem Cello auch Technomusik spielen?" "Nicht wirklich!", gibt der erfahrene Musiker zu und macht seine Zuhörer mit dem 2002 geschriebenen Stück von Luciano Berio "Sequenza" bekannt. Darin beklopft er rhythmisch den Cellokörper mit der rechten Hand und nähert sich damit den modernen Klanggewohnheiten. Jetzt fühlt sich das junge Publikum erst recht herausgefordert und interessiert sich dafür, ob man mit dem Cello auch Filmmusik, den Flohwalzer, Lieder der Sportfreunde Stiller oder Musik aus der "Zauberflöte" spielekönne. Ja, Jens Peter Maintz kann, nicht immer, doch er probiert es und improvisiert. Die Zuhörer belohnen ihn zum Schluss mit viel Beifall.

"Das war nicht zu viel Musik, das hätte die Schüler überfordert", freute sich hinterher Michael Frohnmeyer, der Organisator der Nachtstücke-Konzertreihe. Der Künstler hatte seine Premiere als Mittler zwischen Musiker und jungem Publikum souverän gemeistert.

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