Mit viel Leidenschaft

Meisterduo bei der Eröffnung der Nachtstücke in Zangberg

Von Georg Kirschner

Der Ahnensaal im Kloster Zangberg war das passende Ambiente für das Eröffnungskonzert der Reihe « Nachtstücke – Musikfest im Landkreis Mühldorf », die in diesem Jahr zum zweiten Mal stattfinden. Eingeladen waren zwei vom letzten Jahr bekannte Künstler : Levon Mouradian (Violoncello) und Michael Frohnmeyer (Klavier). Sie boten ein Programm mit Werken aus den großen musikalischen Epochen von der Romantik bis zur Moderne.

Den vortrefflichen Einstieg bildeten die « 5 Stücke im Volkston op. 102 » von Robert Schumann. Diese prächtigen Stücke, die auf der Höhe seines kompo- sitorischen Schaffensentstanden, zogen die Zuhörer in ihren Bann und ent- führten sie in eine romantische Klangwelt. Das Duo spielte auf sehr hohen Niveau, äußerst differenziert in der Tongebung ; im Zwiegespräch von wach- sender Vertrautheit sowie dem Bestreben nach gemeinsam abgestimmten Vortragsstil. Es folgte die « F-Dur_Sonate op. 99 » von Johannes Brahms. Kraftvoll, vorwärts drängende Energiezeigte bereits der erste Satz : über den fulminant gestalteten Klavierpart schwangen sich intensiv ausgebildete Kanti- lenen des Cellos empor, die den Hörer vom ersten Takt an gefangen nahmen. Den Höhepunkt bildete das « Adagio affetuoso ». Der lyrisch-beseelte Celloton von Levon Mouradian, die vollgriffigen, klangschönen ausgeleuchteten Klavier- akkorde von Michael Frohnmeyer sowie der gemeinsame Atem der Linien, machten den Hauptreiz der Interpretation dieses Satzes aus. Die Hörer wurden mitgerissen von der packenden Lebendigkeit im Finale, in dem ein liedhafter Gedanke (« Ich hab´ mich ergeben ») klangvoll zum Ausdruck kam.

Nach der Pause kamen die Freunde moderner Tonsprache auf ihre Kosten. Es folgten « 3 Stücke op. 11 » von Anton Webern, deren wesentlicher Reiz in ihrer Kürze liegt : Das Längste dauert nur 50 Sekunden. Sordinierte, filigrane Flageoletts wechselten ab mit kraftvollen Akkorden, deren Klangdynamik vom Fortissimo bis zum dreifachen Piano reichten. Zum Abschluss erklang die Sonate op. 40 von Dmitri Schostakowitsch, ein Gipfel- werk der Celloliteratur. Dieses viersätzige und wechselvolle Werk trugen Levon Mouradian und Michael Frohnmeyer mit einem Ausdruck und Energie vor, die an Virtuosität die Brahms-Sonate noch überbot. Die begeisterten Zuhörer dankten mit langem Applaus und wurden mit zwei Klangperlen belohnt : « Vokalise » von Sergej Rachmaninov und « Spiegel im Spiegel » von Arvo Pärt.

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