Eine ergreifende Hommage

Von Marian Birken

Fréderic Chopin und Franz Liszt: Die größten Klaviergenies des 19. Jahrhunderts hatten vieles gemeinsam. Etwa die jeweilige Verbundenheit zur Nationalmusik ihrer Heimatländer Polen und Ungarn. Oder das Bestreben und die Fähigkeit, die Klaviermusik und das Klavierspiel neu zu definieren, sowohl im Ausdruck, als auch in der Technik.

Dabei bevorzugte Chopin den intimeren Rahmen in der Komposition und bei der Aufführung, Liszt dagegen verkörperte den großen Virtuosen im öffentlichen Auftritt und den vielseitigen Neuerer auch in der symphonischen Musik. Diesen Unterschied verdeutlichte Michael Frohnmeyer in seinem viel beachteten Klavierabend im Ahnensaal des Klosters Zangberg, im Rahmen der von ihm initiierten Kammerkonzertreihe "Nachtstücke".

Dazu passend wählte er aus dem umfangreichen Klavierwerk Chopins die Nocturnes Nr. 1, 11, 17, und 18. Diese Stücke sind nicht immer nur verträumte Nachtmusik, sondern beinhalten oft unerwartete dramatische Akzente, wie die Nr.11 Andante sostenuto, die stellenweise im Rhythmus und in der Stimmung mehr einem Trauermarsch gleich kommt. Immer traf der Pianist dafür den richtigen Ton, vorzüglich mit dezidiertem Anschlag.

Die Polonaise-Fantaisie As-Dur op.61 wurde ihrer Bezeichnung gemäß mehr als Fantasie denn als Polonaise interpretiert. Obwohl neben vielen sanften, kantilenenhaften Motiven das Tänzerische der Polonaise nur einmal vertreten ist, bot sich doch genügend Anlass für virtuoses Klavierspiel.

Chopin und Liszt haben Klaviersonaten in der Tonart h-Moll komponiert. Gerade hier wird ein fundamentaler Unterschied deutlich: Chopin hält sich an die traditionelle viersätzige Sonatenform mit verschiedenen Motiven in den einzelnen Sätzen. Liszt gestaltet sein Werk in einem Satz, den fünf thematische Gestalten prägen,vom düsteren Unisono über gewaltige Oktavensprünge bis zur sanften Kantilene. Michael Frohnmeyer beherrschte das überwältigende Werk mit tiefer Musikalität und frappierend sicherer Technik.

Nach stürmischem Beifall entließ der mitreißende Klaviervirtuose die faszinierten Zuhörer mit Claude Debussys traumhafter Impression "Clair de Lune" in die zauberhafte Vollmondnacht.

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