Wo Musik und Physik eins sind

Nachtstücke mit "Robomusik"

Waldkraiburg - "Das klingt wie ein Monster", sagt ein Schüler, als Michael Schmid seiner Querflöte ungewöhnliche Töne entlockt. Beim Auftakt des Musikfestes "Nachtstücke" im kleinen Saal im Haus der Kultur sind Realschüler und Gymnasiasten der sechsten Klassen zu Gast und erleben ein musikalisches Experiment.

Flötist Michael Schmid und Tontechniker Alexandre Fostier präsentieren eine Gratwanderung zwischen akustischer und elektronischer Musik in Form von Klanginstallationen. Ohne Physik geht das nicht. In der Theorie wird es etwas kompliziert - in der Praxis ist die Entwicklung leicht nachvollziehbar und auch ausprobierbar. Man nehme zwei Mikrofone und hänge sie über einen Lautsprecher, um eine Rückkopplung zu erzeugen. Und dann lässt man sie schwingen, ganz wie es Steve Reich 1968 mit seiner "Pendulum Music" gemacht hat. "Das hört sich an wie bei Star Wars", sagt ein Bub im Publikum. Anhand von einem geklatschten Rhythmus, den der Tontechniker aufnimmt und wiedergibt, zeigt Schmid, was passiert, wenn er denselben Rhythmus dazu klatscht - nur schneller. Ein Bild eines temperamentvollen Steptanz-Battles entsteht. "So produziert man Musik fast nach 'ner mathematischen Formel", erklärt der Künstler. Abstrakte und etwas schwer verdauliche Kost für Sechstklässler - aber nur wenn sich Schmid in Musiktheorie, verknüpft mit Physik, verliert. Die Kinder wollen hören, wie man eine "Robostimme" macht. Frei nach Alvin Lucier, dem US-Klangkünstler, erklärt er, wie man mit der Akustik von Räumen arbeitet. Dazu braucht man seine Stimme, ein Mikro, ein Tonband und die Raumakustik. Schmid spricht einen Satz, nimmt ihn auf und lässt ihn ablaufen und nimmt das wieder auf. Den Vorgang wiederholt er so lange, bis er nicht mehr zu verstehen ist, sondern nur noch die vielfach multiplizierte Raumakustik, bis sich die Resonanzstimme des Raumes selbst verstärkt. Man hört sphärisches Schwingen und Quietschen. "Cool, das ist Robomusik", rufen Schüler. "Klangphänomene zu verstärken, ist der Ursprung der elektronischen Musik", erklärt er und zieht seine Querflöte raus. Damit macht er heute nichts Klassisches, sondern lässt die Klappen an dem Instrument flattern, macht ein Zungenpizzicato oder wispernde Töne sowie Löwen- und Monstergeräusche. An der Mischanlage verändert sein Tontechniker die Obertöne und spielt damit. Das Ergebnis begeistert die Kinder, weil es "cool" klingt. kla

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