Kammermusik auf hohem Niveau

Mit einem ruhig fließenden Prelude von Marin Marais (1656-1728) eröffnete Eva Reiter, Viola da Gamba, begleitet von Eugene Michelangeli am Cembalo den Abend - und nahm das Publikum mit auf eine Reise in längst vergangene Zeiten. Ziel des kleinen Ausflugs im Rahmen des Musikfests "Nachtstücke" war das barocke Frankreich.

Die wundervolle Akustik des Ahnensaals im Kloster Zangberg bildete dafür den perfekten Rahmen und brachte die "Alten Instrumente" zum Erblühen. Mit einem Solostück von Francois Couperin (1668- 1722) zeichnete Michelangeli die melancholische Seite dieser Zeit nach. Die ersten beiden Stücke waren tonangebend für das Konzert, das sich ausschließlich um zwei Komponisten drehte: Marin Marais und Francois Couperin arbeiteten beide am Hof des "Sonnenkönigs" Ludwig XIV. Nicht nur als Komponisten genossen sie dort hohes Ansehen, sondern auch als instumentale Virtuosen, was besonders im Stück "Le grand Ballet" erkennbar wurde. Dabei zeigten die Interpreten nicht nur ihr besonders gutes Zusammenspiel, sondern bewiesen auch die Fähigkeit, genau aufeinander einzugehen. Selbst bei langsamen Werken wie "Tombeau de Monsieur de Sainte-Colombes" gelang es dem Duo, Spannung zu erzeugen und die Energie bis zum letzten Ton aufrecht zu erhalten. Selbst ein Niesanfall im Publikum brachte Eva Reiter und Eugene Michelangeli nicht aus der Ruhe. Im Gegenteil: Die beiden kommentierten die "Störung" mit einem sympathischen Lächeln. Das ausdrucksstarke Spiel der Gambistin zeichnete sich durch Klangschönheit und Leichtigkeit aus. Nicht nur mit den synchron fließenden Bewegungen wurden die Empfindungen visualisiert, sondern auch durch ihre rege Mimik. Sowohl die barocken Instrumente als auch die stimmige Spielweise des Ensembles machten es dem Publikum leicht, sich in die Epoche des Barocks hineinzuversetzen. Dabei wurde deutlich, dass sich "Le Badinage" seit vielen Jahre eingehend mit der Musik dieser Zeit beschäftigt. Der Name des Duos - "Le Badinage" bedeutet Tändelei oder Verspieltheit - bringt im wahrsten Sinne des Wortes die Spielfreude zum Ausdruck: besonders hörbar im abwechslungsreichen Lied "Le Labyrinthe". Obwohl das Programm auf zwei Komponisten einer Epoche beschränkt war, konnte von Eintönigkeit keine Rede sein. "Le Badinage" brachten die Vielseitigkeit und die Bandbreite der musikalischen Formen den Zuhörern näher. Solostücke für Cembalo wechselten sich ab mit begleiteter Viola da Gamba. Mit einer schönen Zugabe entließ das Ensemble die Konzertbesucher und gab jedem etwas von der Atmosphäre eines vergangenen Jahrhunderts mit auf den Weg.

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