Es klingt noch nach

Von Markus Honervogt

Mit dem zweiten Konzertabend im Zangberger Ahnensaal kehren die Nachtstücke in ihren Saal zurück. Der laue Sommerabend, Wein, ein Spaziergang im weitläufigen Garten und die Musik vereinen sich zu einem Nachtfest. Die Getränke sind heuer frei, man fühlt sich willkommen.

Haydn, Schumann und zwischendrin Rihm, so kündigt es das Programm an, alles gespielt vom schon bekannten Vogler-Quartett. Die Nachtstücke sind wieder zu Hause, sie haben in den vergangenen Wochen Bekanntes und Neues gemischt, Sicheres und Gewagtes, Vertrautes und Ungehörtes. Nach dem Porträtkonzert über Sofia Gubaidulina und dem Abend im Schloss Schwindegg, Chopin und Liszt im Ahnensaal ist das Programm des Abschlussabends die Quintessenz der Nachtstücke, die 2009 schon wieder einen Schritt weitergegangen sind und aus den Anfängen von vor fünf Jahren heraus Klassik im Landkreis weiterentwickelt haben. Über sie wird gesprochen: vor allem natürlich über das Nachtkonzert im Schloss Schwindegg mit Morton Feldmanns "Crippled Symmetry", die manche als Zumutung erfahren haben. Doch das ficht Nachtstücke-Gründer und Pianist Michael Frohnmeyer nicht an, er treibt seine Idee voran: Klassik auf hohem Niveau, keine Angst vor neuer Musik, es muss - bei aller Liebe - nicht immer Mozart sein.

Und so fügt sich der letzte Abend ins Schema, das Tim Vogler, Geiger und Namensgeber des Quartetts, sogleich durchbricht: Der Rihm werde vorgezogen, dann sei er auch gleich vorbei. Die Leute lachen. Dann hören sie ein Sägewerk, Motorengeräusche, Schiffsirenen, einen Cellisten, dessen Instrument dumpf nach Trommeln klingt. Die Quartettspieler quetschen im Streichquartett Nr. 2 Töne und Instrumente bis zum letzten aus.

Sie hören aufeinander, fallen sich gegenseitig ins musikalische Wort, feuern einander an. Zwölf Minuten dauert der Rihm, kurzweilige Minuten, voller spannender und leidenschaftlich vorgetragener moderner Musik.

Den Schwung der Neuzeit, der 70er-Jahre des letzten Jahrhunderts übertragen Vogler, Frank Reinecke, Stefan Fehlandt und Stephan Forck auf Haydn. Sie stürzen sich förmlich in den ersten Satz, hart, expressionistisch lassen sie ein Pferd durchs Reiterquartett springen, das Haydn als Nummer drei in g-Moll notiert hat. Episch, aber nie zu breit der zweite Satz, gefolgt von einem leichten, fröhlich vorgetragenen Menuett. Der Schriftzug des eigenwilligen Quartetts, das noch am Vortag Schulkindern Klassik nahe gebracht hat, kommt im Finale zur Geltung, nämlich immer dann, wenn es nicht spielt: Die kurzen Generalpausen kosten die Musiker aus, dehnen sie und bringen damit die abendliche Stille zum Klingen.

Es wird dunkel. Die Ahnen an den Wänden des barocken, nur schwach beleuchteten Saals verblassen und das Vogler Quartett treibt den Schumann auf den Schlussakkord zu. Das Rondo des Streichquartetts A-Dur op 41, menuetthaft, schnell und leichtfüßig gespielt, so wie die Teile vorher. Eingängig ist das wiederkehrende, akzentuierte Motiv des Schlusssatzes, das im Kopf nachklingt, als das Konzert nach einer kurzen Zugabe längst vorüber ist.

Es war das letzte Konzert der diesjährigen Nachtstücke-Reihe, einer spannenden, abwechslungsreichen Folge klassischer und neuer Musik. Auf Wiederhören im nächsten Jahr.

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