Grundschüler mitten im Urwald

Von kla/Waldkraiburger Nachrichten

"Seid ihr erschrocken?", fragte Anno Kesting die Grundschüler aus Ampfing und Schwindegg, die gestern bei der Abschlussveranstaltung der "Nachtstücke" zu Gast waren, nachdem sein "Percussion Art Quartet" die Kinder mit einem kraftvollen und wuchtigen Donnergrollen auf dem Schlagwerk begrüßt hat. "Jaaa", riefen die Kinder. Die vier Musiker verwandelten den kleinen Saal mit über 40 Instrumenten in einen Urwald.

Regen, Donner, Blitz - und mittendrin rund 150 Grundschüler aus Ampfing und Schwindegg und eine handvoll Kinder aus der musikalischen Früherziehung der Sing- und Musikschule. Das "Percussion Art Quartet" gestaltete das Kinderkonzert im Haus der Kultur, das nach ihrem Sonntagskonzert den Abschluss der Nachtstücke, des achten Musikfestes im Landkreis, bildete.

Die vier Musiker geben oft Kinderkonzerte, wie Künstler Anno Kesting nach der Veranstaltung erklärte, denn es biete sich an, mit Programmmusik Geschichten zu erzählen. Dabei werden außermusikalische Inhalte in Klang und Rhythmus umgesetzt und die Kinder eingebunden - entweder für kleine Geräusche oder die ganze Meute für tosenden Urwaldlärm.

Leander Kaiser (Glockenspiel), Markus Verna (Xylophon), Anno Kesting (Vibraphon) und Felix Bratfisch (Marimba) spielten die "Mitos Brasileiros" des brasilianischen Komponisten Ney Rosauro. Den Kindern erklärte Kesting, der launig durchs Programm führte, es handle sich um Märchenfiguren, deren Geschichten der Komponist in Musik verpackt hat - wie über den rothaarigen Schelm, der durch den Urwald schleicht, nur Unsinn anstellt und dann das Weite sucht. Oder die schöne Jara, die am Flussufer sitzt und träumt und sich die Haare kämmt. "Sie hat nur einen Fehler: Sie frisst Wanderer", so Kesting mit großen Augen. Vier Schüler aus dem Publikum durften mit Blech und einem Sägeblatt Gewittergeräusche machen. Ein Bub hielt das Oceandrum in der Hand. Die beidseitig bespannte Rahmentrommel ist mit vielen Metallkügelchen gefüllt. Kippt man das Instrument schräg, erzeugt es ein Meeresrauschen. Den spannenden Moment, als "Jara" den Wanderer erwischt, ließ das "Percussion Art Quartet" dramatisch anschwellen. Und zwischendrin immer wieder die Urwaldgeräusche der Kinder.

Bei der Geschichte über den Lausbuben Satchi sollte der ganze Saal auf Kommando brüllen und trampeln. "War das schon alles", stachelte Kesting die Schüler an, blödelte mit ihnen und sie waren ganz aufgeregt und rutschten auf den Stühlen herum.

Beim "Zaubervogel" geht es um ein trauriges Mädchen, das den mittellosen Jungen nicht heiraten darf und sich aus Kummer in den Vogel verwandelt. Welche Geräusche passen da? Quietscheente und Faschingströte sowie Kuckuckspfeierl fielen bei den kritischen Kindern gleich durch. Markus Verna zauberte ein Vogelpfeiferl hervor, das ein zwitscherndes und trillerndes Geräusch ertönen ließ. Vier Schüler übernahmen wieder kleine Soloparts. Zu hören waren ein Knackfrosch und etwa ein "Regenmacher" - ein getrockneter Kaktusstamm, in dem sich Samenkügelchen befinden. Eine Schülerin "machte damit Regen", dazu eine hübsche Melodie von Felix Bratfisch an der Marimba und sphärische Klänge, die Verna und Kaiser erzeugten, als sie über die Ränder von mit Wasser gefüllten Weingläsern streichen.

Die Tonmalerei machte den Kindern und auch den Lehrern einen Riesenspaß. Zum Abschluss wurde es nochmal laut mit dem "Pferd ohne Kopf". Aus Zorn über dessen Müßiggang verwandeln die Götter einen Pfarrer in ein Pferd ohne Kopf. Um ihn zu erlösen lautete das Chor-Kommando "Hey!" auf ein Zeichen der Musiker. Das Pferdegetrappel entstand, weil sich das Quartett auf die Brust trommelte, nachdem es virtuos verschiedene percussive Instrumente wechselte und einen mitreißenden Rhythmus aufbaute.

Alle waren mit Feuereifer dabei, konzentrierten sich auf den Einsatz und waren überrascht, von der Klang-Wucht, die sie gemeinsam erzeugten. Anno Kesting zum Abschluss: "Also, wenn bei so viel Einsatz der Pfarrer nicht erlöst wird, weiß ich's auch nicht."

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