Kanon gegen Zwitscherchaos

Den Frühling kann man sehen, schmecken, riechen, aber auch hören. Das erfuhren die dritten und vierten Grundschulklassen aus Ampfing und Zangberg beim Kinderkonzert der "Nachtstücke-Reihe" im voll besetzten kleinen Saal im Haus der Kultur.

Wenn der Vater mit dem Sohne: Michael Frohnmeyer am Flügel und sein Sprössling Viktor an der Querflöte zeigen beim Kinderkonzert der Nachtstücke, wie der Frühling nach Vivaldi aussieht. Waldkraiburg - "Der Frühling" aus Vivaldis "Vier Jahreszeiten" ist voller Vogelgezwitscher, Wassergemurmel sowie Donnergrollen und Hundegebell. Man muss nur richtig hinhören, dann erkennt man einzelne Szenen.

Der freischaffende Pianist und Nachtstücke-Organisator Michael Frohnmeyer macht die Bilder sichtbar und erklärt den Schülern, worauf sie achten müssen. Ganze Arbeit leistet dabei sein zehnjähriger Sohn Viktor an der Querflöte. Die "Jahreszeiten" sind eigentlich vier Konzerte, die für die Geige geschrieben wurden. Der blonde Bub in Anzug und Fliege lässt sich nicht beirren und bringt mit seinem Instrument die Vögel zum Zwitschern - begleitet von seinem Vater am Klavier. Erst seit zwei Jahren spielt Viktor Flöte, seit einem Jahr an der Musikschule - heute steht er vor einem großen Publikum.

Um die jungen Zuhörer nicht zu überfordern, bleibt es bei den drei Sätzen aus dem "Frühling". Frohnmeyer berichtet, jedem Satz sei ein kleines erklärendes Gedicht, ein Sonett von Vivaldi, vorangestellt.

"Die Strophen erzählen uns eine Geschichte, die wir dann in der Musik wieder finden", so der Pianist. Söhnchen Viktor stimmt das Hauptthema an - die singende Vogelschar - das sich immer wieder wiederholt. Wie oft, das soll die Schülerschar mitzählen.

Kinderhände schießen in die Höhe und eifriges Schnipsen ist zu hören. "Zehn", "neun", "nein, sechs" tönt es durch den Raum. Tatsächlich sind es sechs Wiederholungen. Damit sich das Vogelgezwitscher nicht chaotisch anhöre, habe Vivaldi die Stimmen in einen Kanon gepackt.

Im Gedicht ist die Rede von einem murmelnden Bachlauf, der sich schlängelt und die Oberfläche kräuselt. Die Musik stellt dieses Bild dar. Der große und der kleine Frohnmeyer "malen" es mit Klavier und Flöte.

Und dann kommt der Sturm. Vivaldi baut ihn auf, wie es auch die Natur macht. Erst ist aus der Ferne ein Donnergrollen zu hören, dann vertreiben zuckende Blitze die Vöglein und schon geht der Wind los. "Solche Naturelemente kommen oft in der Musik vor", berichtet Frohnmeyer und entlockt dem Flügel die tiefen Töne, um Donner zu erzeugen. Und weil der Sturm die Fröhlichkeit vertreibe, werde die Passage in Moll getaucht, so entstehe eine eher melancholische Stimmung. Doch langsam werde alles wieder heiterer und die Vöglein stecken vorsichtig die Köpfe aus dem Versteck, bevor sie wieder lustig herumhüpfen. Das alles wird heute mit nur zwei Instrumenten dargestellt.

Im zweiten Satz, der eher langsam gehalten ist, schläft ein einsamer Hirte neben seinem Hund. Das dumpfe "wau-wau" ist genau herauszuhören, wenn Michael Frohnmeyer zwei tiefe Töne anschlägt.

Im dritten Satz ist der Hirte schon wieder besser gelaunt, die Melodie wird fröhlicher. "Das ist für die Flöte eine sehr schwierige Episode." Es handle sich um einen Tanzrhythmus. Das Gedicht berichte von Nymphen, die zum Dudelsack tanzen. Viktors Flöte trällert und zaubert ins Kopfkino der Grundschüler die kleinen Geisterwesen, die lustig auf- und abhüpfen.

Mit großem Applaus belohnen die jungen Zuschauer das Kinderkonzert, das mit rund 55 Minuten Vivaldi und vielen musikalischen Fachbegriffen vielleicht ein bisschen zu anspruchsvoll für dieses Alter ist. Denn nach einer knappen halben Stunde lässt die Konzentration nach, das Gezappel und das Geflüster werden immer größer und den Kindern fällt es zunehmend schwerer, bei der Sache zu bleiben.

Dennoch hat das Frohnmeyer-Duo es geschafft, sein Publikum eine Zeitlang zu fesseln. Mit Vogelgesang, tanzenden Nymphen und einem scharchenden Hirten. kla

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