"Elastic Band" war "eine fetzige Sache"

Es war der zweite Versuch, als Auftaktveranstaltung zur Reihe "Nachtstücke" ein Konzert für Kinder im Haus der Kultur zu veranstalten.

Waldkraiburg - Zum zehnten Mal präsentiert der Verein "Nachtstücke im Landkreis Mühldorf" um Mitorganisator Michael Frohnmeyer dieses überregional bekannte Musikfest. Gleichsam als Vorprogramm versuchten Eva Reiter und Tom Pauwels mit ihrem Projekt "Elastic Band", junges Publikum für ihr außergewöhnliches musikalisches Experiment zu gewinnen. Neugierig füllten die Neun- und Zehnjährigen aus Ampfinger, Taufkirchner und Schwindegger Grundschulen den kleinen Saal im Haus der Kultur. Was schon der Name andeutete, wurde von den beiden Musikern auf eindrucksvolle Weise umgesetzt: eine Performance, flexibel, elastisch und dehnbar, bereichert um den Aspekt der Elektronik und ihre eigenständige Interpretation. Die Wienerin Eva Reiter, die sich seit Jahren intensiv dem Bereich der zeitgenössischen Musik widmet, verstand es virtuos, mit ihrer Kontrabass- Blockflöte die Schüler in ihren Bann zu ziehen. Sie brachte das riesige "sprechende Instrument", gebaut nach dem Vorbild einer Orgelpfeife, zum Pochen, Surren, a-rhythmischen Klopfen, Jammern und Säuseln. Im Zwiegespräch mit den Kindern erklärte sie beispielsweise bei der Komposition "Seascape" von Fausto Romitelli, wie die Klappen an der "Flöte" zu bedienen sind, wie Hall- oder Schlagzeugeffekte entstehen und dass dabei auch viel mit dem Mund gemacht werden müsse. Ihr Kollege, der Belgier Tom Pauwels, führte anschließend vor, dass er für seine E-Gitarre neben einem riesigen Verstärker auch einen Tremolo-Verzerrer, einen Gleitstab, ein Aufnahmegerät mit Umkehreffekt, ja sogar Putzschwamm und Rasierapparat zum Bearbeiten braucht. Beim anschließenden Stück "Trash, TV, Trance" bekam er spontanen Szenenapplaus. "Des is ja unheimlich, was der aus der kleinen Gitarre alles rausholt!", so die Meinung eines Zehnjährigen. In den dritten Programmpunkt des Vormittags führte Eva Reiter an ihrer Viola da Gamba, der "Ururoma der E-Gitarre", mit dem Hinweis ein, "in der Musik steckt viel, viel Bewegung." Das veranlasste Sofia und Robert aus dem Publikum spontan, auf der Bühne beim "Buchstabenstück" mitzuwirken. Tom Pauwels gab fünf Bewegungen vor, die dann Sofia laut Plan umsetzte und Robert taktvoll dirigierte. Immer wieder überrascht waren die Kinder von der Tatsache, dass die beiden Künstler die vorgetragenen Stücke nicht etwa "frei Schnauze" gespielt hatten, wie Maxi vermutete, sondern die Komposition tatsächlich vom Blatt "abgelesen" hatten. Rundherum war dieses Konzert für sie "eine fetzige Sache". fis

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