Im Zeichen der Klarinette

Musikfest Nachtstücke: Meisterinterpreten um Eduard Brunner faszinierten im Zangberger Ahnensaal

Ein Leben für die Klarinette - so könnte man die vergangenen 50 Jahre im künstlerischen Wirken von Eduard Brunner umschreiben. Unzählige Musikliebhaber wurden dabei beglückt, bei seinen perfekten Auftritten als Solist, in der Kammermusik, mit oder im Orchester.

Das gesamte Programm der Nachtstücke im Zangberger Ahnensaal wurde maßgeblich durch ihn gestaltet, mit kongenialen Partnern. In der aus der letzten Schaffensperiode von Johannes Brahms stammenden Sonate für Klarinette und Klavier op.120 Nr.2 Es-Dur war es der Pianist Michael Frohnmeyer - verdienstvoller Begründer der seit neun Jahren angesehenen, erfolgreichen Konzertreihe. Der erste Sonatensatz trägt die Bezeichnung Allegro amabile, "liebenswürdig", bestimmend für das ganze Werk. Dennoch nutzten beide Instrumenta-listen im souveränen Einvernehmen auch alle sich bietenden virtuosen Möglichkeiten voll aus, zu einem überzeugenden Gesamtkunstwerk. Das tonale System wurde nicht erfunden, sondern entdeckt, ist also etwas Naturgegebenes, mit überprüfbaren Gesetzmäßigkeiten - eine unerschöpfliche Quelle musikalischer Inspiration - nachzufragen bei Bach & Co., bei Vorgängern und Nachfolgern über Jahrhunderte bis in die Gegenwart. Diese Feststellung steht im Gegensatz zu Theodor Adornos Begriff des "musikalischen Materials" als ausschließlich geschichtlich Produziertem, was allerdings durchaus auf modernes Musikschaffen zutrifft. Ein Paradebeispiel dafür ist das 2012 entstandene Klarinettenquintett "Geheime Botschaften" von Theo Brandmüller, aufgeführt vom Klarinettisten Eduard Brunner in Einheit mit dem wunderbar harmonierenden Minguet Quartett: Ulrich Isfort - 1. Violine, Annette Reisinger - 2. Violine, Aroa Sorin - Viola und Matthias Diener - Violoncello, mit denen der im gleichen Jahr verstorbene Tonsetzer eine innige persönliche und künstlerische Freundschaft pflegte. Die Uraufführung durch seine Freunde erlebte er leider nicht, hinterließ jedoch zum besseren Verständnis bewegende, poetische Erläuterungen, nachzulesen im Programmheft. Mit bewundernswertem Engagement und Einfühlungsvermögen wurde das Werk im Konzert wiederbelebt. Ganz andere, traditionelle, ästhetisch anrührende und gemütsbewegende Klangwelten erschlossen sich im abschließenden Klarinettenquintett op.115 von Johannes Brahms. Leicht begreiflich waren Erfolg und Begeisterung, die der Komponist mit seinem quasi Schwanengesang beim Publikum und in der Fachwelt seinerzeit erntete. Die melodische Substanz, Stimmungsbilder, ideale Schönheit, besonders im Adagio, verzückten auch jetzt die ergriffenen Zuhörer, die ihre Künstler dankbar feierten.

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