Voller Kontraste

Von Marion Birken

Es gibt wohl keine anspruchsvolle Komposition für Streichquartett, die das in Köln beheimatete Minguet Quartett nicht perfekt im Geiste des Komponisten wiedergeben könnte. Nach seinem Namensgeber, dem spanischen Philosphen Pablo Minguet, ist es mit Erfolg bestrebt, breiten Zugang zu den Schönen Künsten zu verschaffen.

Ulrich Isfort, 1. Violine, Annette Reisinger, 2. Vilone, Aroa Sorin, Viola, und Matthias Diener, Violoncello, haben eine unglaubliche Homogenität des Zusammenspiels erreicht, sowohl in der Klassik, als auch in der Moderne. Ihre Programmgestaltung ist sehr vielseitig. Im Nachtstücke-Konzert im Ahnensaal des Klosters Zangberg spielen sie zunächst "Mugam Sayagi" ein meditatives Werk der zeitgenössischen aserbejdschanischen, in Moskau aussgebildeten Komponistin Franghis Ali-Sadeh.

Weit auseinander im Viereck stehend, quasi in Quadrophonie, begannen die Streicher mit einzelnen, in der Höhe leicht schwankenden Tönen um dann unvermittelt mit fast brutalem Pizzicato zur Quartett-üblichen Position zu gelangen. Aber auch da bleibt die Tongebung unüblich, voller klanglicher Überraschungen, bis hin zu erschütternen Tam-tam- Schlägen, alles in ausgeprägter Körpersprache präsentiert.

Ziemlich wild geht es weiter, mit Jörg Widmanns Jagdquartett aus dem Jahr 2003. Basierend auf einem Motiv, bekannt aus Robert Schumanns "Carnival", werden klangliche Variationen dargeboten, in nicht gerade schonendem Umgang mit den Instrumenten, stellenweise zweckentfremdet, im Saitenzupfen bis an die Belastungsgrenze gehend, dazu vermutlich vom Tonsetzer gewollte, zum Teil bewusst skurile Bewegungen und Lautäußerungen.

Wie aus einer anderen Welt erklingt nach der - fürs Gehör wohlverdienten - Pause, Wolfgang Amadeus Mozarts Klarinettenquintett A-Dur KV 581, mit dem exzellenten Klarinettisten Eduard Brunner. In einer an musikalischer Herrlichkeit nicht zu überbietenden Offenbarung widerlegten die fünf beseelten Musiker die These von der Unerreichbarkeit des Ideals. Eine innigere, bewegendere, in ihrer Zartheit vollkommenere Intenpretation kann man sich nicht vorstellen.

Zum edlen Ton der Streicher gesellte sich der erhaben weiche Klang der Klarinette, mit einer einmalig schönen Phrasierung, in der jeder einzelne Ton seinem Wesen entsprach - ein unvergessliches, noch lange nachklingendes musikalisches Erlebnis.

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